SCHWARZWEISS 38.
Die Profoto Lichtformer (Teil II).

Der erste Teil dieses Beitrages hat sich mit den Blitzgeneratoren der schwedischen Nobelmarke Profoto beschäftigt. Im diesem zweiten Teil steht die Wirkungsweise der vielfältigen Lichtformer von Profoto Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.


Bericht von: Mark Brandenburgh
Im Auftrag von: Tecklenborg Verlag (Steinfurt)
Publiziert in: SCHWARZWEISS 38

Das Wort Photographie bedeutet dem Sinn nach "Schreiben mit Licht". Der Lichtqualität kommt in der Fotografie einer zentralen Bedeutung zu. Für ein erstes Verständnis der Wirkungsweise der unterschiedlichen Lichtformern ist ein vergleich mit dem natürlichem Tageslicht hilfreich.
Das Tageslicht nimmt zwei Extremformen an: bei einem sonnigen, vollständig wolkenlosen Tag sind Kontrast und Detailbrillanz hoch und die Schatten sind strukturlos, tief und scharf umrandet. Diese Lichtqualität wird durch die Sonne als eine weit entfernte Punktlichtquelle erzeugt und kann im Studio mit einem direktem Blitzlicht simuliert werden. Bei einem vollständigen bewölktem Tag sind Kontrast und Detailbrillanz niedrig und die Schatten flach, weich und wenig ausgeprägt. Der Unterschied zu einem wolkenlosen Tag ist in der völligen Abdeckung des Himmels mit einer Wolkendecke zu sehen. Die Wolken werden von der Sonne angestrahlt, wirken als Diffusor und werden so zu einer flächigen und großen Lichtquelle. Im Studio wird diese Lichtqualität ebenfalls mit mehr oder weniger großen Diffusorflächen vor der Lichtquelle nachgebaut. Und wenn an einem völlig wolkenlosen Tag im Schatten fotografiert wird, dann nimmt das Licht eine Kombination der beiden extremen Lichtqualitäten an: der Kontrast und Detailbrillanz entsprechen dem eines wolkenlosen Tages und die Schattenverläufe entsprechen einem vollständig bewölktem Tag. Peter Lindbergh ist Meister dieses Lichtes; gerne läßt er seine Models am wolkenlosen Tagen in schwarzen Boxen posieren. Im Studio wird diese Lichtqualität in etwa mit Jumbo-Schirmen, die gerichtetes Licht mit großen Leuchtflächen kombinieren, simuliert. Zur Beurteilung der Lichtqualität stehen 5 Parameter zur Verfügung: 1) die Größe der Leuchtfläche in Relation zum Anstand zum Motiv und der Motivgröße, 2) der Leuchtwinkel der Lichtquelle, 3) Lichtintensität, 4) Farbe des Lichtes und 5) wie diffus oder gerichtet das Licht ist.

Tageslicht muss der Fotograf nehmen wie es kommt. Der Vorteil bei der Verwendung von professionellen Blitzanlagen besteht in der Möglichkeit, dass die Wirkung des Lichtes unter Verwendung von Lichtformern nach den Vorstellungen des Fotografen frei gestaltet werden kann und jederzeit exakt reproduzierbar ist. Dabei kann die Lichtwirkung mit Hilfe des Einstelllichtes schon vor der Aufnahme kontrolliert werden. Einstelllicht und Blitzlicht enstehen technisch aus unterschiedlichen Leuchtmitteln die aus geometrischen Gründen nicht notwendigerweise die identisch gleiche Lichtqualität produzieren müssen. Weil bei Profotos Blitzköpfen beide Leuchtmittel dicht beisammen unter mattiertem Schutzglocke aus Glas angeordnet sind, ist die Wirkung des Einstelllichtes identisch mit der des Blitzlichtes. Weil dieses Schutzglas zusätzlich völlig frei steht, werden alle Lichtformer sehr effektiv und gleichmäßig ausgeleuchtet. Solide Schutzkappen schützen die Leuchtmittel beim Transport vor Beschädigung. Alle Blitzköpfe von Profoto weisen eine zylindrische Bauform mit gleichen Durchmesser auf. Somit können alle Profoto Lichtformer (Reflektoren, Lichtwannen etc.) an alle Blitzköpfe angeschlossen werden. Eine Profoto-Ausrüstung wächst jederzeit mit den Bedürfnissen des Fotografen mit. Dabei erzeugen selbst die einfachsten Lichtformer schon eine erstaunliche ästhetische Wirkung. Mit Profotos Sortiment an Lichtformern ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Lichtformung:

Die Hardbox

wurde erstmals auf der Photokina 2002 vorgestellte und ist ein schwarzer Kasten mit einer kleinen Austrittsöffnung für das Licht. Hierdurch wird die Größe der Lichtquelle auf ein Minimum reduziert. Mit ihr lässt sich eine extrem gerichtete Lichtcharakteristik realisieren die in ihrer Bildwirkung mit dem des Sonnenlichtes bei unbewölktem Himmel vergleichbar ist. Das Resultat sind tiefschwarze und scharf umrissene Schatten mit stecknadelgroßen Glanzlichtern. Diese Wirkung wird nochmal gesteigert wenn der Blitzkopf mit einem klarem Schutzglas verwendet wird. Helmut Newtons Porträt von Sigourney Weaver, bei dem sich die weltberühmte Schauspielerin sich einen Filmstreifen vor das Gesicht hält und sich dieser als Schatten auf dem Gesicht abbildet, könnte mit der Hardbox nachgestellt werden. Die Hardbox minimiert das Streulicht und kann als "Antireflektor" somit als Gegenpol zum ProGlobe verstanden werden.


Pro-Globe: das China-Licht von Profoto.
Produktfoto: Profoto

Der ProGlobe (China-Licht)

ist eine Kunststoffkugel in dem das "nackte" Schutzglas des Blitzkopfes mittig zentriert wird. Die mattierte Oberfläche der Kugel streut das Licht in alle Richtungen. Die mit dem Proglobe erzeugte Lichtwirkung hängt somit sehr stark von der Umgebung ab, in dem dieser Lichtformer eingesetzt wird. Je kleiner und heller (z.B. weiße Wände) der Raum ist, desto weicher und homogener wird das Licht sein. Je größer und dunkler die Umgebung ist, desto so härter und ungleichmässiger fällt die Ausleuchtung mit dem ProGlobe aus. Im Prinzip stellt das mattierte Schutzglas des Blitzkopfes schon eine primitive Variante des kugelförmigen Lichtformers dar. Der größere Durchmessers des ProGlobe´s (etwa 27 Zentimeter) führt im Vergleich zur Pyrexglocke in der Praxis zu erheblich weicheren Schattenverläufen weshalb Gegenstände im Raum einen weniger prägnanten Schlagschatten werfen. Desweiteren bilden sich ohne ProGlobe die Lüftungsöffnungen des Schutzglases im Motiv ab. Bei nächtlichen Außenaufnahmen kann mit dem ProGlobe das Mondlicht und die nächtliche Straßenbeleuchtung imitiert werden. Der ProGlobe wird primär für die Lichtflutung von Räumen mit einer Grundhelligkeit eingesetzt. Zwei mit einigem Abstand hoch unter die Raumdecke platzierte ProGlobes imitieren quasi Oberlichter. Denkbar wäre auch die Verwendung des ProGlobes als Aufhelllicht bei einem Managerporträt am Schreibtisch: eine Gesichtsseite wird vom Fenster beleuchtet, die Aufhellung der anderen erfolgt mittels ProGlobe. Zur Ausleuchtung von Hintergründen oder eines Aufnahmetisches von unten kann dieser Lichtformer ebenfalls Verwendung finden. Für das Genre der Innenarchitektur greift man besser auf weisse Schirme oder den Widezoom Reflektor zurück.


Der Softlightreflektor ist eine klassische "Beauty-Dish".
Produktfoto: Profoto

Softlight-Reflektor

Dieser runde Reflektor ist eine "Metall- schüssel" die von Hinten mit dem Blitzkopf bestückt wird. Das Licht wird dann mittels einer weißen (oder farbig zu beklebenden) Deflektorscheibe aus Metall in die Schüssel zurück geworfen. Das deutlich gerichtete Licht dieses Reflektors zeichnet sich auf Grund des großen Durchmessers von 53 Zentimetern trotzdem durch eine gute Schattendurchzeichnung aus. Den Softlight-Reflektor gibt es in zwei Varianten: mit silberner (Leuchtwinkel: 26 Grad) und weißer Reflexionsfläche (Leuchtwinkel: 65 Grad). Der weiße Softlight-Reflektor (auch "Beauty-Dish" genannt) ist ein exzellentes Werkzeug zur Lichtformung für schmeichelnde Porträts. Für klassische Schwarzweißporträts kann dieser Reflektor leicht seitlich und mit einem dezentem Aufheller (Rondoflex, Styropor etc.) auf der gegenüberliegenden Seite − gerne auch vor schwarzem Hintergrund − eingesetzt werden. Nah an der zu porträtierenden Person aufgestellt kann mit diesem Reflektor die Persönlichkeit herausgestellt werden. Wegen der lichtundurchlässigen Deflektorscheibe nehmen Spitzlichter in den Augen eine ringförmige Struktur an. Wenn dieser Effekt vermieden werden soll, kann die Deflektorscheibe durch einen Glasdiffusor ausgetauscht werden. Mit einer zusätzlichen Wabe kann der Leuchtwinkel in der silbernen Version auf 10 Grad und in der weißen Version auf 25 Grad verengt werden. Die eigentliche Lichtcharakteristik des Reflektors wird durch die Wabe in der Leuchtmitte nicht verändert. Am äußersten Randbereich ergibt sich einer Abbruchkante gleichend eine starker Abfall in der Lichtintensität die gezielt zur Schattenführung (Doppelkinn verschwindet im Schatten) eingesetzt werden kann. Des Weiteren kann die Austrittsöffnung dieses Reflektors mit einem Frontdiffusor (weißer Stoffbezug) ausgerüstet werden. Das Licht ist dann mit dem Licht einer kleinen Softbox vergleichbar.

Softboxen

erfreuen sich einer enormen Beliebtheit weil das mit Ihnen erzeugte Licht eine homogene Lichtführung, saubere Reflexe, eine hohe Farbsättigung mit sehr gut durchgezeichneten Schatten verbindet. Weil Softboxen sich für sehr viele Anwendungsbereiche (Porträt-, Sachaufnahmen, Modefotografie) bestens eignen sind sie zu einem Inbegriff der professionellen Studiofotografie geworden. Die Softboxen von Profoto weisen eine sehr hohe Verarbeitungsqualität auf und sind in der Handhabung einfach. Mit einem einheitlichen Anschlussring werden Profotos Softboxen um 360 Grad drehbar direkt am Lampenkopf befestigt. Das schwarze, lichtundurchlässige Boxengewebe wird eingespannt indem flexible Stahlstäbe in den Anschlussring gesteckt werden. Die Spannstäbe der jüngsten Generation von Profotos Softboxen sind noch flexibler weshalb sich eine einfachere Demontage ergibt. Ursprünglich war der ProGlobe ausschliesslich als Zubehör für die früheren Softboxen von Profoto, die sogenannten ProGlobeBouncer, gedacht. Diese wiesen keinen Innendiffusor auf und der ProGlobe homogenisierte deren Lichtverteilung. Bei den heutigen Softboxen von Profoto erfüllt ein mitgelieferter Innendiffusor den gleichen Effekt. Front- und Innendiffusoren können bei Profoto-Softboxen entfernt werden. Profoto gibt an, dass selbst bei intensiver Nutzung keine Vergilbung der Diffusoren zu befürchten ist. Die rechteckigen Lichtwannen sind in den Größen: 2x2" (60x60 cm), 1x3" (30x90 cm), 2x3" (60x90 cm), 1x4" (30x120 cm), 3x4" (90x120 cm), 4x6" (120x180 cm) und 1x6" (30x180 cm) sowie in achteckiger Form als 3" Octa (90 cm Durchmesser) und 5" Octa (152 cm Durchmesser) erhältlich. Als Zubehör bietet Profoto Stripmasken, Rundmasken und seit kurzem auch 40-Grad Stoftwaben an. Mit speziellen Adaptern können die Profoto Lichtwannen auch an die Blitzköpfe anderer Hersteller (Balcar, Bowens, Broncolor, Elinchrom, Hensel, Multiblitz) befestigt werden.


Die Profoto 5- und 7-Foot-Reflektoren von der Seite.
Produktfoto: Profoto

Die großen Foot-Reflektoren

entfalten sich nach dem Schirmprinzip und mit einem maximalen Durchmesser von 2.5 Metern (8-Foot) sind sie beeindruckend groß − wie Sonnenschirme die wir aus unserem Garten kennen. Diese von nur einer Person einfach auf- und abzubauenden Jumbo-Schirme finden im Studio wie "On-Location" Verwendung und sind vielseitig verwendbar wie vielleicht kein weiterer Lichtformer. Der Schirmreflektor steht auf einem Stativ und der Lampenkopf wird am Reflektor befestigt. Die silbrig beschichteten Innenseiten der Jumbo-Schirme reflektiert das vom Blitzkopf ausgehende Licht zum Motiv. Das hierdurch produzierte Licht ist stark gerichtet (etwa wie bei Sonnenschein) und weist somit eine gute Differenzierung feinster Details auf. Durch die große Leuchtfläche ergibt sich zugleich ein sanfter Schattenverlauf (etwa wie bei bewölktem Himmel). Der Lichtabfall zum Rand ist minimal. Profoto umschreibt diese Lichtwirkung als "knackig und zugleich weich" und bezeichnet die Jumbo-Reflektoren auch als "Brillantes Softlight". Eine solche Lichtwirkung ist bei Tageslicht an einem sonnigen Tag vielleicht im Schatten zu realisieren. Mit einem variablen Abstand zwischen Blitzkopf und Jumbo-Schirm lä:sst sich das Licht bei diesen Reflektoren fokussieren. Die Lichtwirkung kann somit vom Spotlicht bis zum Flutlicht mit einem Leuchtwinkel von 100 Grad verändert werden. Als sehr ästhetisch wird im allgemeinen auch die blütenförmigen Spitzlichter (in den Augen) empfunden.


Die Profoto 5- und 7-Foot-Reflektoren von vorne.
Produktfoto: Profoto

Mit zwei optionalen Frontdiffusoren (weiße Stoffbezüge) kann die Lichtwirkung zusätzlich variiert werden. Der dicht gewebte Frontdiffusor (1 Blende Licht- verlust) verwandelt den Jumboschirm in eine Lichtquelle, die in ihrer Lichtwirkung mit der einer großen Softbox verglichen werden kann. Das Motiv wird dann von einem weichen Licht umflossen. Mit dem weniger dicht gewebtem Frontdiffusor (1/2 Blende Lichtverlust) wird ein Kompromiss aus Softbox und Jumboschirm realisiert. Die Front- diffusoren vermindern Glanzlichter, Reflexe und die Lichtausbeute nimmt ab. Zugleich wird durch sie die Homogenität der Ausleuchtung wie auch den Streulichtanteil erhöht. Der "kleine" 5-Foot-Schirm (1.53 Meter Durchmesser) eignet sich noch für die Verwendung in Wohnzimmern und für den Einsatz "On-Location". Der "große" 7-Foot-Schirm (2.13 Meter Durchmesser) eignet sich für die Verwendung in Studios und noch bedingt für Unterwegs. Der "riesige" 8-Foot-Reflektor (2.50 Meter Durchmesser) mit Fläche von 5 Quadratmeter kann eigentlich nur in großen Foto-Studios Anwendung für die Ausleuchtung von großen Motiven (Gruppen, Möbel) finden. Eine Anwendung im Außenbereich erscheint auf Grund der großen Segelfläche nur an windstillen Tagen denkbar. Für alle Jumbo-Schirme werden außerordentlich stabile Stative mit zusätzlichen Gewichten notwendig.


Dieser Text wurde gegenüber der Originalfassung aus dem Jahre 2002 von Mark Branden- burgh im Jahr 2012 leicht überarbeitet. Neue Produkte von Profoto und der technische Fortschritt wurden in dieser Neufassung nicht berücksichtigt. Der erste Teil dieser Publikation im JOURNAL #03. beschäftigt sich mit den Blitzgeneratoren von Profoto.


Journal #03. Index 01 bis 10 Zum Seitenanfang Journal #04.