SCHWARZWEISS 36.
Die Profoto Blitz-Generatoren (Teil I).

William Klein, Michel Comte, David La Chapelle, Annie Liebovitz, Bryan Adams, Albert Watson und der just verstorbene Herb Ritts - diesen international renommierten Fotografen sagt man nach mit Blitzanlagen von Profoto zu arbeiten. Was macht die Geräte der schwedischen Firma so attraktiv? Die Blitzgeneratoren von Profoto sind für ihre jeweilige Leistungsklasse recht kompakt gebaut und sie glänzen hinsichtlich der technischen Parameter Lichtmenge, Abbrenn- und Blitzfolgezeiten sowie Stabilität der Farbtemperatur mit Bestwerten.


Bericht von: Mark Brandenburgh
Im Auftrag von: Tecklenborg Verlag (Steinfurt)
Veröffentlicht in: SCHWARZWEISS 36

Das Produktportfolio von Profoto umfasst ganz unterschiedliche Lichtanlagen, die erfreulicherweise aber eine größtmögliche Kompatibilität aufweisen: alle Profoto-Blitzköpfe besitzen eine zylindrische Bauform mit gleichem Durchmesser. So können alle Lichtformer (Reflektoren, Lichtwannen etc.) an alle Blitzköpfe angeschlossen werden. Dadurch ist eine beliebige Kombination von Profoto-Lichtformern und Blitzanlagen möglich. Diese Tatsache bedeutet eine maximale Investitionssicherheit.


Blitzkopf mit Zoom-Reflektor.
Produktfoto: Profoto.

Lichtmenge

Die Blitzgeräte-Hersteller geben die Leistung ihrer Anlagen bekanntlich in Wattsekunden (Ws) an. Aber genauso wie die PS-Zahl eines Autos nicht viel über seine maximale Geschwindigkeit aussagt, kann die Watt- sekunden-Angabe nur ein Richtwert für die tatsächlich erreichte Lichtintensität sein. Will man wirklich wissen, wie viel Licht eine Blitz- anlage produziert, hilft nur die Vergleichsmessung mit einer anderen Blitzanlage unter exakt gleichen Bedingungen. Eine hohe Lichtausbeute ist wichtig für die Ausleuchtung großer Flächen, bei der Verwendung von lichtschluckenden Lichtformern, aber auch wenn sich das Blitzlicht gegen helles Tageslicht durchsetzen soll. Allgemein gilt: Eine Verdoppelung der Wattsekundenzahl bringt eine Blende mehr Licht.

Abbrenn- und Blitzfolgezeiten

Die Abbrennzeit ist von großer Bedeutung, weil sie nicht selten mit der Belichtungszeit gleichgesetzt werden kann. Wer also Bewegungen einfrieren und Verwacklungsunschärfen ausschließen möchte, braucht hierfür eine kurze Leuchtdauer. Die Belichtung wird bei Tageslicht durch die Zeit-Blenden-Kombination bestimmt. Bei einer konstant eingestellten Blitzlichtanlage wird die korrekte Belichtung nur durch den Blendenwert bestimmt − jedenfalls wenn die verwendete Kamera kurze Blitzsynchronzeiten zulässt: in einer Mischlichtsituation aus Tageslicht und Blitzlicht ermöglicht die gezielte Wahl der Verschlusszeiten das kontinuierliche Ein- oder Ausblenden des Tageslichtanteils an der Gesamtbelichtung. Eine kurze Abbrennzeit wird bei Profoto technisch durch spezielle Blitzröhren und die Vermeidung von Fehlanpassungen sichergestellt. Wenn der Fotograf mit einer motorisierten Kamera schnelle Schussfolgen realisieren möchte, dann muss die verbrauchte Leistung schnell nachgeladen werden. Eine schnelle Blitzfolge gelingt nur, wenn die Blitzanlage mit kurzen Ladezeiten aufwartet.

Stabilität der Farbtemperatur

ist in erster Linie für die Farbfotografie von Bedeutung. Mit der Farbtemperatur ändert sich auch die farbliche Abstimmung des Blitzlichtes (kühler = bläulicher, wärmer = rötlicher). Wenn die Farbqualität von "Schuss-zu-Schuss" instabil ist, hat jede Aufnahme eine andere Farbqualität. Das ist insbesondere bei digitalen Multi-Shot-Kameras von Bedeutung. Die Geräte einiger Hersteller haben ein Problem mit der Farbstabilität, denn bei reduzierter Lichtleistung kann auch die Farbtemperatur deutlich absinken. Profoto löst das Problem durch die Steuerung der Lichtleistung über die Stromdichte in der Blitzröhre, wobei die Spannung möglichst konstant gehalten wird. Andere Hersteller regeln die Leistung dagegen über die Spannung. Die Folge sind Farbtemperaturverschiebungen. Auch die Leuchtdauer des Blitzlichtes hat einen Einfluss auf die Farbqualität. Der zeitliche Verlauf der Leucht- charakteristik einer Blitzentladung verläuft entsprechend einer abfallenden Kurve. Am Anfang der Entladung ist die Farbtemperatur hoch (bläulich) und verschiebt sich zum Ende hin zu niedrigeren Farbtemperaturen (rötlich). Der in der Fotografie resultierende Farbton entsteht durch eine Integration der während der Belichtung entstehenden Farbanteile. Je kürzer die Leuchtdauer, desto geringer ist die Gefahr, dass sich der Verschluss der Kamera schließt, noch bevor der Blitz aufgehört hat zu leuchten. In diesem Falle würde weniger rotes Licht als blaues Licht den Film belichten, was eine Blauverschiebung bewirkt. Die Verwendung hoher Spannungen und kurzer Leuchtzeiten minimiert oder eliminiert bei Profoto die Gefahr von Farbverschiebungen.


Kompaktblitz von Profoto
Produktfoto: Profoto

Kompaktblitzanlagen

Die Leistungsklassen 300, 600 und 1200 Wattsekunden (Ws) deckt die preiswerte Produktserie der Kompaktblitz- geräte ab. Generator und Blitzkopf bilden in dieser Serie eine ventilatorgekühlte Lampeneinheit, die direkt von der Netzversorgung betrieben wird. Die stufenlose Leistungs- regelung erfolgt kontinuierlich über ein Potentiometer (verändert die Farbtemperatur) über 3 oder 5 Blenden- stufen. Das Einstelllicht von 250 Watt und 500 Watt beim größten Modell kann maximal oder proportional einge- stellt oder auch ganz ausgeschaltet werden. Die Kompaktblitzanlagen von Profoto besitzen ideale Eigenschaften für den Einsteiger in die mobile Blitzlicht-Fotografie. Kompaktblitz- anlagen sind für das kleine und mobile Porträtstudio ideal geeignet.



Die Trennung von Blitzkopf und Blitzgeneratoren hat viele Vorteile. Produktfoto: Profoto



Bei allen anderen Profoto-Anlagen sind Blitzkopf und Generator mit einem Kabel verbunden. Ein entscheidender Vorteil bei der Trennung von Blitzkopf und Generator ist es, dass an externen Blitzgeneratoren im Gegensatz zu Kompaktblitzanlagen auch Spezialblitzköpfe (Ringblitz, Stabblitz etc.) angeschlossen werden können.


Kompaktblitzgenerator Profoto Acute-2 von oben gesehen.
Produktfoto: Profoto

Acute-2 und Acute-2R

Mit 1200 bzw. 2500 Ws Leistung für maximal 3 Lampenköpfe warten die Acute-2 und Acute-2R Blitzgeneratoren auf. Sie sind (anders als die Produktbezeichnung vermuten ließe) keine akkubetriebene Blitz- anlagen, sondern kompakte Generator- anlagen. Die Acute-2-Geräte weisen in ihrer Leistungsklasse eine sehr gute Farb- und Leistungsstabilität auf und erfüllen somit auch die Anforderungen vieler Digital- applikationen. Die technische Basis dafür ist die schrittweise Leistungseinstellung über 4 Blendenstufen per mechanischer Kipp- schalter wodurch ganze Kondensatoren hinzu- oder abgeschaltet werden. Auf diese Weise kann die Blitzspannung konstant gehalten werden. Solange der zusätzliche Drehregler zur Leistungsreduzierung um zwei weitere Blendenstufen nicht eingesetzt wird, bleibt die Farbtemperatur stabil und die Blitzleuchtdauer kurz (1/560 - 1/3200 Sekunde bei maximaler und minimaler Leistung und 1200 Ws). Die Proportionalität des Einstelllichtes kann manuell entsprechend der gewählten Blitzleistung nachgestellt werden. Blitzfolgezeiten von 0.09 bis 1.6 Sekunden (240 W, 1200 Ws) sind sehr erfreulich. Der Acute-2R ist identisch mit dem Acute-2, aber zusätzlich für die kabellose Blitzsynchronisation aus bis zu 100 Meter Entfernung mit einem digitalen Funkempfänger ausgerüstet. Hierfür wird die Kamera mit dem Funksender LPA Pocketwizard ausgestattet. Dieses System ist kompatibel mit Sekonic Blitzbelichtungsmessern mit integriertem Funkmodul. Für diese Generatoren können nur Blitzköpfe aus der Acute-Serie verwendet werden.


Kompaktblitzgenerator Profoto Acute-7b (1200 WS) mit
Blitzkopf. Produktfoto: Profoto

Pro-7 Blitzgeneratoren

können nur mit den Pro-7-Blitzköpfen betrieben werden. Besonders hervorzuheben ist der Pro-7b Generator (1.200 Ws), dessen Bleigel-Akku es erlaubt, überall ohne Netzanschluss zu arbeiten. Dabei steht sogar ein 100 Watt Einstelllicht zur Verfügung, das nach maximal 180 Sekunden automatisch erlischt. Normaler- weise reicht eine Akkuladung für 200 bis 250 Blitze oder für 150 bis 180 Blitze bei schnellem Ladezyklus. Bei halber Leistung (600 Ws) ergeben sich 400 bis 500 Blitze, bei 300 Ws sogar 800 bis 1.000. Der Universal-Netzadapter übernimmt die Stromversorgung, den kontinuierlichen Betrieb im Studio oder das Aufladen des Akkus nach 2,5 Stunden - auch vom PKW-Zigarettenanzünder bei laufendem Motor. Zwei weitere Generatoren (Pro-7a und Pro-7s) sind in den Leistungsklassen 1.200 und 2.400 Ws erhältlich. Der Pro-7a ist mit einem Auto-Bracketing ausgerüstet und der Pro-7s ist für den ultraschnellen Blitzbetrieb konzipiert. Die längste Blitzdauer in dieser Serie beträgt 1/1.400 Sekunde, die kürzeste 1/12.000 Sekunde. Generatoren dieser Serie weisen laut Profoto über den gesamten Leistungsbereich keine sichtbaren Schwankungen in Blitzleistung und Farbtemperatur auf.


Kompaktblitzgenerator Profoto D4 mit Blitzkopf.
Produktfoto: Profoto

Neuheit zur Photokina 2002: Profoto D4

Der Profoto D4 ist aus mehreren Gründen ein sehr interessanter Generator. Die Acute-2-Generatoren arbeiten mit einer geringeren Spannung und bei kleineren Strömen als die Generatoren der Pro-7 Reihe. Das bedeutet, dass die Blitzköpfe beider Baureihen mit unterschiedlichen Blitzlampen ausgestattet werden müssen. Diese Inkompatibilität wird mit dem D4 überwunden, dessen Arbeits- punkt zwischen dem der Acute- und Pro-7- Reihe liegt. Deshalb sind Blitzköpfe beider Reihen am D4-Generator einsetzbar. Das neue Modell kann somit preisgünstig eine bereits bestehenden Ausrüstung ergänzen. Aufgrund seiner digitalen Regeltechnik besitzt der D4 die höchste Farb- und Intensitätsstabiliät von allen Profoto-Generatoren − auch wenn mehrere Lampenköpfe gleichzeitig benutzt werden. Der D4 ist insbesondere für alle Anwendungen in der Digitalfotografie die erste Wahl. Seine vier Ausgänge können in allen Funktionen über eine USB-Schnittstelle von einem PC ferngesteuert werden. Die Software ist im Lieferumfang enthalten.


Die Produktfamilie von Profoto umfasst viele Blitzgeneratoren und zahlreiche Lichtformer. Produktfoto: Profoto

Dieser Text wurde gegenüber der Originalfassung aus dem Jahre 2002 von Mark Branden- burgh im Jahr 2012 leicht überarbeitet. Neue Produkte von Profoto und der technische Fortschritt wurden in dieser Neufassung nicht berücksichtigt. Der zweite Teil dieser Publikation im JOURNAL #04. beschäftigt sich mit den Lichtformern von Profoto.


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